Bulgarien (30.07.2026 - 04.09.2026)

Wenn wir in ein für uns neues Land reisen, stellen wir uns immer wieder die gleichen Fragen: 

  • wie gut funktioniert die Verständigung  
  • wie begegnen uns die Menschen 
  • wie sind die Straßenverhältnisse und der Verkehr
  • welche Einkaufsmöglichkeiten gibt es 
  • wie vielen WoMos werden wir begegnen und aus welchen Ländern 
  • wie einfach oder schwierig ist die Stellplatz Suche (sowohl Camping als auch frei)
  • wieviel kostet der Diesel

Der wohl am häufigsten verwendete Satz in diesem Zusammenhang lautet „ich bin mal gespannt, …“

Bulgarien ist mit einer Fläche von 110.994 km² etwa so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen, die Schwarzmeerküste ist ca. 350 km lang, im Norden ist es eher felsige Steilküste, weiter südlich gibt es berühmte Sandstrände wie den Goldstrand bei Varna und den Sonnenstrand nördlich von Burgas.

Weite Teile des Landes im Norden und Südosten bestehen aus Tiefebenen, die intensiv Landwirtschaftlich genutzt werden, wir haben noch nie so viele, so große Sonnenblumenfelder gesehen. In der Mitte zieht sich von West nach Ost das Große Balkangebirge und im Südwesten gibt es die Rhodopoden, das Rila- und das Pirin Gebirge. Aus dieser Topographie ergibt sich auch das Klima: Kontinental Klima im Norden, mediterranes Klima am Schwarzen Meer und Gebirgsklima in den Bergen.

Die größten Städte sind Sofia (Hauptstadt), Plovdiv und Varna; aufgrund der wechselvollen Geschichte Bulgariens (https://de.wikipedia.org/wiki/Bulgarien) gibt es viele Kulturdenkmäler im gesamten Land.

Das heißt für uns wieder Kultur und Besichtigungen – Natur, Berge und Wandern – Nichts tun, wo immer es schön ist z.B. am Schwarzen Meer.

Für uns ungewöhnlich, über dem Schwarzen Meer gehen Sonne und Mond auf, wir sind extra um 5:45 Uhr aufgestanden und haben einen wunderschönen Sonnenaufgang gesehen. Im Norden Bulgariens gibt es eine (nicht sehr hohe) Steilküste mit interessanten Felsformationen und Bögen.

Weiter im Süden haben wir versucht, an einem Samstag in Varna einen Parkplatz am Goldstrand zu bekommen, das war keine gute Idee; im August ist Hochsaison. Also sind wir erst mal ins Hinterland gefahren und haben Strand und Sonne unter der Woche genossen.

Geschichte

Bulgarien hat eine sehr wechselvolle, sehr weit zurückreichende Geschichte. Die Besiedlung Bulgariens begann schon 7000 Jahre v. Chr.,  Nahe der heutigen Stadt Warna wurde ca 4200 v. Chr. das älteste bearbeitete Gold der Welt gefunden, ca 2000 v.Ch. bis 45 n.Chr. besiedelten die Thraker das Gebiet, darauf folgten im 1. bis 7. Jhdt. n. Chr. Römer und Byzantiner. 681 n. Chr. wurde das Erste Bulgarische Reich , 1186 durch die Arsen Brüder das Zweites Bulgarisches Reich gegründet. Danach folgte die Osmanische Herrschaft und in den 1870 erlangte Bulgarien die Unabhängigkeit geprägt durch die Epoche der Wiedergeburt.

Aufgrund der Geschichte ist Bulgarien reich an Kulturschätzen, das zeigt sich an so vielen Orten durch reich geschmückte thrakische Gräber, alte Festungen, Klöster und Wiedergeburtshäuser. 

Die Thraker waren ein indogermanisches Volk bzw. eine Völkergruppe in der Antike, deren Siedlungsgebiet sich östlich von Makedonien bis an das Westufer des Schwarzen Meeres erstreckte. Sie wurden schon in der Ilias des Homer erwähnt. Die thrakischen Gräber in Bulgarien sind weltberühmte antike Meisterwerke und gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen der thrakischen Hochkultur. Die Gräber stammen teilweise aus dem 3. bis 4. Jahrhundert v. Chr. Da diese sehr wertvoll sind, kann oft nur eine Kopie besichtigt werden.

Epoche der Wiedergeburt war eine Periode des sozio-ökonomischen Wachstums und der nationalen Einigung des Bulgarischen Volkes im 18. und 19. Jahrhundert innerhalb des Osmanischen Reiches und eng mit der Einbeziehung der Balkanhalbinsel in das allgemein-europäische Wirtschaftssystem verknüpft. Die für diese Zeit typischen Wiedergeburtshäuser sind prachtvolle, historisch bedeutsame Gebäude, typische Merkmale sind Erker in den oberen Etagen, die weit über die Straße ragen. Sie sind mit Holzschnitzereien oder bunten Fassaden verziert. Sehr schöne Häuser haben wir in Zheravna, Plodik und Melnik gesehen. 

Monumente: Im ganzen Land stehen Tausende von Skulpturen und Monumente, z.B. der Reiter von Madara, das nationale Shipkaden Denkmal, welches an eine große Schlacht in den 1870er Jahren zur Befreiung von den Türken erinnert oder das überdimensionale, mittlerweile verfallene, aber trotzdem irgendwie faszinierende Buzludzha Denkmal Denkmal der Bulgarischen Kommunistischen Partei, erbaut 1981 und gerade mal 8 Jahre für Tagungen und Kongresse genutzt. 

Klöster

Davon gibt es in Bulgarien viele (heute noch 120), sie waren jahrhundertelang Schutzräume, Bildungszentren und Bewahrer der bulgarischen Identität. Fast 500 Jahre lang stand Bulgarien unter osmanischer Herrschaft, in dieser Zeit boten sie Mönchen und Christen Schutz vor Verfolgung, dort wurde nationaler und kultureller Widerstand gegen die Fremdherrschaft organisiert, es wurde die bulgarische Sprache, die Schriften und der orthodoxe Glaube heimlich gelehrt und damit blieben die Klöster die einzigen Zentren für Bildung, Aufklärung und Kultur. Sie liegen oft abseits, gut versteckt in den Berge und wurden nach Zerstörung immer wieder aufgebaut.

Das Rila Kloster gilt bis heute als das größte und wichtigste dieser Nationalheiligtümer. Außerdem haben wir die Felskirchen von Iwanowo angeschaut, das Bachkovo Kloster  (das zweitgrößte Kloster und eines der wichtigsten Wallfahrtszentren des Landes) besucht und das noch aktive Männerkloster der Verklärung (Preobraženski Manastir) am Hang der Rhodopen und das Kloster von Rožen.

Bei den berühmten Klöstern Rila und Bachkovo haben wir die Bedeutung für die Bevölkerung life miterlebt, im Bachkovo waren wir Sonntag und es war sehr voll. Leider hat es sich so ergeben, dass wir auch am Rila Kloster Sonntag Mittag angekommen sind, wir haben aber bis Spätnachmittag abgewartet und das Abendlicht genossen. Dann waren wir am Montag früh um kurz nach 7 Uhr noch einmal im Kloster und haben die besondere Stimmung der morgendlichen Liturgie miterlebet.  

Das Kloster von Rožen liegt ganz im Süden, nicht weit weg von der Grenze zu Griechenland. Der Anblick hat uns an die Kirchenburgen in Rumänien erinnert, es erinnert mit dem Grundriss eines unregelmäßigen Sechsecks an eine mittelalterliche Festung und ist für ein bulgarisches Kloster erstaunlich schlicht - aber sehr schön.

Gebirge - Wanderungen - Natur

In Bulgarien gibt es mehrere Gebirgsketten, das zentrale Balkangebirge, im Süden die Rhodopen, das Rila- und das Pirin Gebirge

 Im Balkangebirge haben wir eine Wanderung über die Hügelkette zwischen dem Buzludzha Denkmal und dem Denkmal der Freiheit (Schipkadenkmal) gemacht und Mitten im Wald einen gut bestückten Verbandskasten gefunden, Bergrettung ist hier nicht selbstverständlich.

Von der Sonnenfinsternis am 12.08.2026 haben wir leider gar nichts gesehen. Wir haben uns aber einen abgelegenen Stellplatz gesucht und nachts Sternschnuppen gezählt. So viele Wünsche habe ich gar nicht 😊

Nach etwas Kultur sind wir Mitte August wieder in die Berge gefahren.  Wir waren eine Woche im Rila Gebirge und haben mehrere Wanderungen gemacht. Die Wanderung zu den Sieben Seen haben wir auf den 19.08. gelegt, denn an diesem Tag sieht man hunderte weiß gekleidete Menschen vor traumhafter Bergkulisse  den mystischen Tanz der Paneurhythmie nach fest vorgegebenen Bewegung und Gesängen aufführen. Es handelt sich um Mitglieder der Universellen weißen Bruderschaft, eine Art religiöse Gemeinschaft die 1900 von dem Bulgaren Petar Danow gegründet wurde. Um den Menschenmassen, die an diesem Tag unterwegs waren, haben wir die große Runde zu allen 7 Seen gemacht (1160 HM, 21 km)

Die Wanderung auf den Malyovitsa (2729 m) haben wir als Rundtour gemacht - 1170 HM und 22,6 km, am Gipfel hatten wir gerade mal 1/3 der Entfernung. Beim Aufstieg durch das Trogtal wirkt der Gipfel von Norden steil und abweisend, die Route holt aber etwas aus und der finale Anstieg erfolgt südseitig über die Ebene des Malyovitsa Feldes. Zum Glück ist das Gipfelplateau sehr groß, der Andrang war wieder riesig, wir waren zum Glück recht früh unterwegs.

Nach einem Besuch im Rila Kloster an den Südhängen des Rila Gebirges sind wir ins Pirin Gebirge gefahren und haben den zweithöchsten Berg Bulgariens, den Vihren (2915) bestiegen, diesmal haben wir die kurze Runde gewählt, das waren 1000hm rauf und runter auf 9,4 km.

Zur Belohnung gab's am nächsten Morgen ein reichhaltiges Frühstück in dem hübschen Bergsteiger Ort Bansko

Von Sofia sind wir noch mal ganz in den Nordwesten gefahren, um die bizarren Felsformationen von Belogradschik zu besichtigen. Sie sind vor rund 230 Millionen Jahren durch Sedimentablagerungen und tektonische Hebungen entstanden und mit etwas Fantasie kann man Figuren und Gestalten erkennen. Auf einer Wanderung in dem Gebiet haben uns zwei wirklich schöne Hunde begleitet, sie tauchten plötzlich auf, sind uns immer gefolgt oder voraus gelaufen und haben sich im Ort wieder verabschiedet

Wir haben natürlich auch einige Städte besucht, sonst wäre die Reise durch Bulgarien für uns nicht ausgeglichen. Wir waren in Varna, Plovdiv und Sofia. 

Varna: ausser dem Goldstrand hat Varna eigentlich nicht viel zu bieten, ein paar Kirchen , ein altes römisches Bad, eine unbedeutende Einkaufsstraße - das war's

Plovidv hat uns sehr gut gefallen, es ist die 2. größte Stadt Bulgarien uns gilt als eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte Europas und hat Charme und Charakter. Es gibt eine hügelige, sehr hüsche Altstadt - und ja - Kirchen, hübsche Cafes und Restaurants

Sofia ist mit 1.2 Mio Einwohnern etwas kleiner als München, die Innenstadt ist aber kompakt. Da wir ja Zeit haben, haben wir den Besuch auf zwei halbe Tage verteilt mit vielen Pausen (Standard bei uns ist vormittags Besuch in einem Cafe, denn gerne ein Eis, später ein Apero und Abendessen).  Natürlich überwiegen die orthodoxen Kirchen, da wir am Wochenende dort waren haben wir minestens 3 Hochzeiten erlebt. 
Jede Stadt in Bulgarien hat ein Historisches- ein Äthnologisches-  und ein Naturkundemuseum. Das ist uns aber zu viel, wir besuchen ein Museum nur, wenn es etwas ganz besonderes zu bieten hat. 

  • Der Goldschatz von Varna ist der älteste bekannte Großschatz aus bearbeitetem Gold der Welt und stammt aus der Kupfersteinzeit vor rund 6.500 bis 7.000 Jahren.
  • Das Ikonenmuseum in der Krypta der Alexander-Nevski-Kathedrale in Sofia. Ich liebe Ikonen, mangels Aufhängungsmöglichkeiten im Sprinter hängt dort noch keine

In Sofia hatten wir ein sicherlich gewöhnungsbedürftigen, aber coolen Stellplatz. Bulgarien ist eine aufstrebende Camper Nation. Das haben wir an einigen sehr neuen, gut ausgestatteten Campingplätzen gesehen. Die Wohnwagen und WoMos müssen ja aber auch irgendwo abgestellt werden, wenn sie nicht benötigt werden, dafür gibt es In Sofia mehrere Parikplätze, die aber auch als Stellplatz ausgestattet sind (Dusche, WC, Waschmaschine, Frischwasser). Auf einem solchen Platz standen wir als einzige Gäste und haben beobachtet, wie die Einheimischen ihre Gefährte zum Wochenende abholen oder wieder parken 

Sprache/Schrift: In Bulgarien wird die kyrillische Schrift verwendet ☹ Straßenschilder sind meist 2 sprachig, Speisekarten oft nicht. Ortsnamen gibt es oft in 3-4 verschiedenen Schreibweisen, diese entstehen durch die Umschrift von der kyrillischen in die lateinische Schrift, denn es gibt keine weltweit einheitliche Methode dafür. Manche nutzen eine englische, manche eine deutsche und andere eine wissenschaftliche Umschrift.
Beispiel: „Бузлуджа“ = Busludscha (deutsche Transkription) = Buzludzha (englische, internationale Transkription) = Bouzloudja (französische Transkription) 
Und die Verwendung scheint auf google bzw. google maps, Reiseführer oder auf Straßenschildern nicht immer nachvollziehbar.

Immerhin funktioniert die Übersetzung der kyrillischen Schrift mit google translater meistens, beim Einkaufen brauchen wir manchmal halt etwas länger.

Verständigung: Die Möglichkeiten hier sind vielfältig, viele sprechen gut bis sehr gut Englisch, ältere Menschen eher weniger, da funktioniert die Verständigung entweder mit google translater oder mit Händen/Füßen. Und wir werden sehr oft auf Deutsch angesprochen, z.B. junge Familien, die in Deutschland leben und arbeiten oder (meist) Männer, die ein paar Jahre in Deutschland gelebt haben. Wir haben den Eindruck, die Menschen freuen sich, wenn sie mit uns Deutsch reden können. 

Wie Planen wir unsere Route: Wir haben einen digitalen Reiseführer und schauen, welche Top Sehenswürdigkeiten im Internet genannt werden. Daraus erstellen wir eine Liste unserer Ziele und planen maximal eine Woche im Voraus. 
Je nach Ziel (Berge, Meer, Stadt) berücksichtigen wir den Wetterbericht oder ob Wochenende ist. Da wir fast nie im Voraus buchen, sind wir flexibel und spontan. Hört sich einfach an, ist es aber leider nicht immer. Manchmal ist es schwierig, alle geplanten Ziele in einer sinnvollen Reihenfolge zu verbinden ohne 3 mal im Kreis zu fahren oder wir können uns bei bestimmten Sehenswürdigkeiten nicht einigen, ob oder ob nicht. Wir können und wollen uns aber nicht alles anschauen, also müssen wir auch entscheiden, was wir weglassen, Beschreibungen im Reiseführer oder Bilder im Internet sind oft verführerisch, da passiert es schon mal, dass wir eine Festung uninteressant oder einen Ort unbedeutend finden.  

Camping- bzw. Stellplätze: Offiziell ist das freie Stehen in Bulgarien nicht erlaubt, wir haben aber nur positive Erfahren gemacht, Einheimische lassen sich auch für mehrere Tage z.B. an Seen nieder. Wir standen in Bulgarien 20 Nächte frei und 13 Nächte auf Camping- oder Stellplätzen. Es gibt in Bulgarien drei Kategorien von Camping- oder Stellplätzen:

  • Einfache Stellplätze (siehe Beschreibung Sofia)
  • Kleine Campingplätze mit 5-10 Stellplätzen und oft nur 1-2 Duschen/WCs. Hier kostet die Nacht ca. 20 €. Dabei handelt es sich oft um private Gärten, die als Campingplatz genutzt werden oder um Campingplätze, die schon seit vielen Jahren bestehen.
  • Neue, größere Campingplätze (20-50 Parzellen), parzelliert, mit offizieller Rezeption und guter Infrastruktur. Hier kann eine Nacht dann aber auch bis zu 40€ kosten.

Eines ist aber allen Camping- oder Stellplätzen gemeinsam - es gibt wenig bis keinen Schatten, was bei Tagestemperaturen von bis zu 35°C  anstrengend ist. 
Frei stehen kann man eigentlich überall, wo es eine ausreichend große ebene Fläche gibt. Das sind z.B. Wanderparkplätze (im Rila Gebirge standen wir 5 Nächte auf 2 verschiedenen Parkplätzen), am Meer (außerhalb der touristischen Gebiete) an Seen oder an Sehenswürdigkeiten wie z.B. dem Buzludzha Denkmal (2 Nächte).

Ja- ab und zu genießen wir auch die Infrastruktur eines kleinen Campingplatzes in der Natur um eine Pause vom Reisen zu machen, manchmal haben wir einfach Overload, dann kann und will ich keine Entscheidungen treffen.  
Ab und zu fällt ja auch noch etwas Büroarbeit an (Rechnungen bezahlen, Steuererklärung, Vermietung der Wohnung), der Sprinter will innen und aussen geputzt werden, Blog weiterführen, Videos schneiden - halt das ganz normale Leben

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