Rumänien (24.06.2026)
Rumänien ist ein Land, dass die Wenigsten als Reiseziel auf der Agenda haben - ich auch nicht - aber das ist ein Fehler. Rumänien ist ein tolles Reiseland. Es hat Kultur (alte Klöster, Kirchen, Burgen und Schlösser, das größte Parlamentsgebäude der Welt in Bukarest), das Donaudelta, Schlammvulkane, wunderbare Landschaft mit ausgedehnten Laubwäldern und mit den Karpaten Berge bis 2500m Höhe und unendlichen Wanderungen zu bieten.
Für mich gibt es also viel zu entdecken: die Menschen sind eher zurückhaltend aber sehr freundlich, die Straßen sind von gut ausgebaut bis unbefestigt mit grobem Schotter, in jeder Stadt gibt es einen Lidl oder Kaufland, die Dörfer ziehen sich oft über Kilometer an den Hauptstraßen entlang, die Landschaft im Norden ist sehr hügelig bis bergig und von endlosen Wäldern bedeckt.
Wir sind zuerst im Norden, von Ungarn kommend waren wir in der Region Maramuresch unterwegs, hier gibt es viele alte Holzkirchen (viele aus dem 18 Jh)
Auf der Weiterreise in den Nordosten haben wir die Karpaten überquert und eine Wanderung auf den Pietrosul gemacht, 1400 HM, 16 km - 6,5 Stunden Gehzeit. Ich habe noch nie so viele blühende Alpenrosen gesehen, wirklich fantastisch.
Mittlerweile haben wir unser Reisetempo an die zur Verfügung stehende Zeit angepasst. Am Samstag haben wir eine Kirche besichtigt, sind ca 30 km gefahren und haben den Rest des Tages völlig alleine auf einem kleinen Campingplatz verbracht. Oder wir bleiben einfach an einem schönen Ort stehen und genießen die Aussicht.
Update 29.06.2026
Wir sind weiter in den Nord-Osten gefahren in die Region Bucovina, bekannt für über 40 rumänisch-orthodoxe Klöster, erbaut im 15. und 16. Jh. Berühmt sind einige diese Klöster durch die detaillierte Wandmalereien auf den Außenmauern, die teilweise sehr gut erhalten sind. Wir haben 4 der Klöster besucht, die alle zum UNESCO Weltkulturerbe gehören: Moldovita, Sucevita, Voronet und Humor. Die Klöster liegen alle innerhalb von quadratisch angelegten massiven Schutzmauern und sind von gepflegten Gärten mit wunderschönen Rosenbeeten umgeben.
Nach soviel Kultur ist es wieder Zeit für Natur, Nichts tun und wandern. Wir sind nach Vatra Dornei gefahren, lt. Reiseführer Ausgangsort für 320 km Wanderwege. Die üblichen Wander Apps zeigen 2-3 Wanderungen an oder auch gar nichts. Die lokale Touristeninformation schließt freitags um 16:00 Uhr. Dank google haben wir doch noch etwas gefunden und haben am Samstag eine halbtages Wanderung gemacht, war aber nicht so spektakulär, es gibt nicht mal Bilder (wir sind weder Wolf noch Bär begegnet).
Mittlerweile ist auch hier der Sommer mit über 30°C angekommen, aber wir sind auf 800m, es kühlt nachts immer noch ab, die letzten beiden Tage gab es am frühen Abend Gewitter, danach wurde es richtig frisch und durch die Feuchtigkeit morgens nebelig.
Update 03.07.2026
Wir bleiben in dem Rythmus Besichtigung - Nichts tun - Wandern.
Die nächste Wanderung hat uns in das Ceahlau Massiv geführt, auf den Gipfel des Toaca (1904m). Wanderwege in Rumänien sind oft naturbelassener und nicht so gut angelegt, wie wir es aus den Alpen gewohnt sind. Der Aufstieg/Abstieg ging teilweise direkt die Bergflanke entlang, die letzten 110 HM zum Gipfel müssen über 159 steile Stufen erklommen werden.
Da es eh schon auf dem Weg lag, haben wir noch mal einige Klöster besucht u.a. Kloster Agapia (hier leben 400 Nonnen, die sich liebevoll um den Garten kümmern), der Museums Laden von Kloster Neamt ist der reinste Gemischwarenladen.
Die Weiterfahrt Richtung Süden in die Region Transilvanien (Siebenbürgen) hat uns durch die 6 km Bizac Klamm geführt, hier ragen die Felswände bis zu 300m steil empor.
Dann noch ein kurzer Zwischenstopp am Lacul Rosu (Roter See). Um die Bedeutung des Namens ranken sich viele Legenden, aber die rötliche Färbung entsteht, wenn nach starken Regenfällen viel Wasser mit hohem Eisenoxid Anteil aus den Nebenflüssen in den See gelangt.
Wir hätten vielleicht 1 Tag hier bleiben sollen, denn jetzt sind sie da - die starken Regenfälle. Seit gestern Mittag gibt es heftige Gewitter und immer wieder Regen. Und es ist kühl geworden. Da wir einen wunderschönen Stellplatz mit Wiese, Bach und Wäldern sind wir dort geblieben und haben Gewitterwolken beobachtet, gelesen und waren faul.
Update 10.07.2026
In Siebenbürgen liegt der Besichtigungsschwerpunkt bei den für diese Gegend typischen Kirchenburgen und einigen hübschen Orten. Bei den Ortsnamen muss man aber höllisch aufpassen, da neben den rumänischen auch oft die deutschen Namen verwendet werden (besonders auf google maps) und bei mir hat das Mapping nicht immer funktioniert. So waren wir am zuletzt beschriebenen Stellplatz nicht 10 sondern 100 km von Schäßburg bzw. Sighisoara entfernt.
Seid wir in Siebenbürgen sind, sind uns 2 Dinge aufgefallen: es gibt wieder nette Cafes mit leckeren Kuchen, so wie wir es lieben und kennen. Und die Zahl der deutschen Touristen nimmt zu. Allerdings sprechen hier viele noch Deutsch, da ist die Unterscheidung nicht ganz einfach. Aber wir sehen wieder mehr deutsche Wohnmobile.
Die kulturelle Besonderheit der Gegend sind die Kirchen- oder Wehrburgen, die im Mittelalter von den Deutsch-Sachsen (die aus dem heutigen westlichen Deutschland stammen und von den ungarischen Königen zur Verteidigung der Ostgrenze angesiedelt wurden) errichtet wurden und der gesamten Dorfbevölkerung zum Schutz vor Angriffen von Türken und Tartaren dienten. Sie enthalten neben der zentralen Kirche in dem Befestigungsring Vorratskammern, Wohnräume und auch Unterrichtsräume. Wir haben "nur" 2 von den insgesamt über 100 Kirchenburgen besucht, die in Prejmer (Tartlau) und Harman (Honigberg). Wir haben auf einen kleinen Campingplatz im Pfarrhof gestanden, in 2 Nächten haben wir mind. 8 deutsche WoMo getroffen.
Sehenswerte Orte sind Sighisoara (Schäßburg), Brasov (Kronstadt) und Sibiu (Hermannstadt). Es sind nette kleine Städte mit Altstadt, durch die man sich wunderbar treiben lassen kann und natürlich Besichtigung der ein oder anderen Kirche.
Von Brasov aus werden auch Touren zur Beobachtung von Bären angeboten, allerdings werden die Bären mit Futter angelockt und man kann diese aus einem Versteck heraus beobachten, wir haben uns gegen eine solche Tour entschieden und sind wieder in die Natur gefahren, um uns im Bucegi-Massiv die Felsformationen Babele und Sphinx anzuschauen. Das war mit einer etwas mühevollen Anfahrt und kurzen Wanderung verbunden. Bären sind uns noch keine begegnet, aber schon einige Füchse.
Eigentlich darf man in dem Naturpark nicht übernachten, wir waren schon auf Zurückfahren eingestellt, gegen 18:30 Uhr kam die Alpin Polizei auch vorbei, wir durften 1 Nacht stehen bleiben.
Und dann ging es endlich zum Schloß Bran a.k. Schloß Dracula. Wen die Geschichte interessiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Bran. Von anderen Reisenden wurden wir gewarnt, dass es hier furchtbar touristisch ist, wir wollten uns das Schloss sowie nur von aussen anschauen, aber 10€ Eintritt pro Person war uns dann doch zuviel und das Wetter war kühl und regnerisch. Südlich von hier sind wir mal wieder über die Karpaten gefahren, der Karpatenbogen erstreckt sich hier von Ost nach West, d.h. wir befinden uns auf der Südseite und damit in der Region Walachei oder Valahia. Da es auf dem Weg liegt, haben wir noch einige Klöster besichtigt, aber es gibt so viele davon und sie sind immer wieder sehr schön anzuschauen. Leider hat man manchmal aber auch Pech, die Kathedrale von Curtea de Arges, eines der berühmtesten Gebäude Rumäniens und Grabstätte der rumänischen Königsfamilie ist wegen Renovierung nicht zu besichtigen.
Es gibt 2 besonders bei Motorrad Fahrern beliebte Strecken, um die Karpaten in Nord/Süd Richtung zu überqueren - Transalpina eher im Westen und Transfaragasan im Osten. Wir sind heute über die Transalpina gefahren. Thomas wollte hier nicht übernachten, wir sind auf 2000m und es ist entsprechend kalt und stürmisch (das wird die 1. Nacht, in der die Heizung läuft). Aber die Aussicht ist einfach so grandios und es gibt wunderschöne Stellplätze.
Ich wollte es erst nicht glauben, aber die Fahrt über die Transfaragasan ist noch spektakulärer. Der Hauptkamm ist schroffer, felsiger, daher gibt es eine Passhöhe und nicht wie an der Transalpina eine ausgedehnte Hochebene. Am ersten Tag als wir aus der Ebene von Norden kommend hoch gefahren sind, lag alles in dichtem Nebel, keine Aussicht und Wandern war auch nicht möglich, am Nachmittag hat es sogar etwas geregnet. Wir sind trotzdem über Nacht geblieben, früh aufgestanden und wurden reichlich belohnt. Strahlend blauer Himmel und um 7:00 Uhr auch herrlich leere Straßen. Auf der Abfahrt nach Süden haben wir einige Bären gesehen (auch 2 Mütter mit Jungen), sie lungern an der Straße und warten darauf, gefüttert zu werden.
Wir wurden drei mal per Warn App über das Mobile vor Bären in Orten bzw. Wohngebieten alarmiert.
Der Besuch von Bukarest lohnt sich leider nicht, es ist eher anstrengend (bei 35°C sowieso). Die Stadt hat ein paar Sehenswürdigkeiten z.B. Theater, Museen und natürlich viele Kirchen, aber die kleine Altstadt ist eine einzige Kneipenzone, es gibt viele Baustellen. Hier sieht man deutlich, dass es Rumänien wirtschaftlich nicht gut geht, die Inflation liegt bei über 10%, das BIP beträgt die Hälfte von dem in Deutschland, viele Gebäude sind in (sehr) schlechtem Zustand und wir sehen viele arme Menschen in den Straßen. Der krasse Gegensatz dazu ist der durchaus interessante Parlamentspalast, nach dem Pentagon und dem Parlament in Thailand mit 365.000 m² das 3. Größte Verwaltungsgebäude der Welt. Es wurde in den 80iger Jahren von dem Diktator Nicolae Ceaușescu erbaut, die Fertigstellung hat dieser aber nicht mehr erlebt. Alle Materialien für den Bau (z.B. Marmor, Eiche, Seide, Wolle für Teppiche) stammen aus Rumänien. Heute ist das Gebäude Sitz des Senats und des Parlaments.
Aber es gibt viele große Shopping Malls und Kinos, wir haben uns Odyssee im Original angeschaut. .
Update 27.07.2026
Nach Bukarest fahren wir wieder in die Natur. Wir haben uns die Schlammvulkane von Berca angeschaut, diese entstehen durch Gase, die aus ca. 3.000 m Tiefe durch ton- und wasserhaltige Schichten aufsteigen, an der Erdoberfläche trocknet der Schlamm und bildet Strukturen, die Vulkanen ähneln. Das ca. 30 km2 große Gebiet ist Naturschutzgebiet.
Von dort sind wir (mit einem Umweg über Bukarest, wir hatten vor der Abfahrt unser gespültes Frühstücksgeschirr stehen lassen) Richtung Donau Delta gefahren. Um das Delta richtig erleben zu können, haben wir das Auto in Tulcea geparkt und sind mit einem Boot nach Crisan am Suliniarm gefahren, ein Ort, den man nur mit dem Boot erreicht. Wir waren 4 Tage in der Pension Vasiliu (wirklich sehr zu empfehlen). Von dort haben wir 2 Tage geführte Bootstouren gemach, einmal in den Nordenosten nach Latea, dort gibt es Sanddünen, Eichenwälder und Wildpferde und in den Nordwesten des Delta (VIELE Vögel) gemacht und ein Tag sind wir auf eigene Faust mit dem Kanu durch die Kanäle gepaddelt.
Über die Temperaturen in D können wir nur Staunen, wir hatten im Delta 18 Std. Dauerregen, die Temperaturen sind auf unter 20°C gesunken, Moskitos gibt es trotzdem.
Das Donau Delta ist ein 5800 km² großes Biosphärenreservat (Details siehe Link), knapp 18% davon liegen in der Ukraine, die Grenze ist sehr nah. Das haben wir an täglichen Patrouille Flügen der NATO gemerkt, und an einer Warnung vor Raketenangriffen, ein Tag nachdem eine Drohne im rumänischen Luftraum zerstört worden war.
Das hat uns nur kurz irritiert, dafür ist die Landschaft einfach zu faszinierend, es ist wirklich eine gewaltige und schöne Natur. Wir haben den Besuch absichtlich unter der Woche geplant, am Wochenende kann es voll und durch Motorboote und Jetski laut werden.
Und dann haben wir nach 8 Wochen Reise endlich das Schwarze Meer erreicht und erlebt, wie die Rumänen Urlaub machen. Der Vadu Beach ist ein ca. 10 km Küstenabschnitt mit Stellplätzen hinter kleinen Dünen und einem schmalen Sandstrand - und wir waren nicht alleine. Im Laufe des Sonntags wurde es wesentlich leerer, aber Viele lassen die Wohnwagen oder auch Zelte stehen und kommen am nächsten Wochenende wieder.
Wir haben das bisher so noch nie erlebt, aber am Schwarzen Meer gehen sowohl Sonne als auch Mond über dem Wasser auf.
Da es auf dem Weg liegt, haben wir noch einen Kurzstopp in Constanta gemacht, teilweise wurden schöne Restaurierungen durchgeführt, teilweise liegen aber Alt und Neu (wie in ganz Rumänien) sehr eng nebeneinander
Autofahren in Rumänien ist anstrengend! Weniger als 2% sind Autobahn, die meisten Straßen sind also 2 spurig, sehr kurvig, es geht über Pässe hoch und wieder runter ins Tal. Es gibt auch gute Strecken, oft aber leider Straßen mit Wellen, Schlaglöchern, abgerutschten Rändern oder Gräben rechts und links. Und Nebenstraßen sind außerhalb der Orte oft gar nicht geteert. Dazu viele LKWs, ewig lange Dörfer eines hinter dem anderen und jede Menge Geschwindigkeitsbegrenzungen – 30 – 50 – 70 km/h.
Da kann es schon mal sein, dass wir für 175 km 4,5 Stunden benötigen, inkl. 30km Baustelle auf einer Passstraße mit mindestens 6 Engstellen mit Ampel. Das macht keinen Spaß.
Die Fahrweise der Einheimischen ist sehr unterschiedlich, manche halten sich an jede Geschwindigkeitsbegrenzung, manche überholen unverschämt selbst in Kurven. Wir wurden in geschlossener Ortschaft auch schon von einem LKW überholt.
Wetter: Generell ist Rumänien von einem gemäßigten Kontinentalklima mit den uns bekannten 4 Jahreszeiten geprägt, aber durch die unterschiedliche Geographie gibt es 3 Ausprägungen: Im Flachland (Osten und Westen) herrscht eher Kontinentalklima mit heißen Sommern und kalten, schneereichen Wintern. In den Höhenlagen der Karpaten gibt es raues, kühles Bergklima und an der Schwarzmeerküste und im Donaudelta überwiegt das mediterran geprägte Klima.
Auf jeden Fall war es bisher nie so heiß wie in Westeuropa und Deutschland, wir hatten bisher nur sehr wenige Tage über 30°C, das liegt aber auch daran, dass wir uns oft in Höhen über 800m bewegen. Daher gab es auch noch kaum laue Sommerabende, abends war meist lange Hose, Jacke und Socken notwendig, leider haben wir auch einige Abende im Sprinter gesessen. Gerade im Einflussbereich der Karpaten ziehen im Laufe des Tages häufig Wolken auf, teilweise gibt es Schauer oder Gewitter.
Nachdem wir die Karpaten endgültig hinter uns gelassen haben und in den Süden gefahren sind, wurde es heiß. Besichtigung Bukarest haben wir bei 35°C gemacht, aber auch hier ziehen ab Mittag immer Quellwolken auf und es besteht die Möglichkeit von Gewittern.























































